Ergonomie Fahrradsattel - MTB und Rennrad (SQlab)

05.03.2017 20:35

SQlab-Schulung – Sättel (Teil 1 / 2)


Letzte Woche waren Matthias und ich (Marcus) auf dem Ergonomie-Seminar von SQlab in der Nähe von Frankfurt. Generell ein Thema, bei dem viele denken, dass es eher für unsportliche Fahrer oder ältere Generationen interessant ist, die sich morgens schon aus dem Bett mühen müssen. Wir zählen uns beide nicht dazu, trotzdem hat uns die Schulung sehr für das Thema sensibilisiert und gezeigt, dass es auch für sportliche junge Fahrer im MTB-Bereich, insbesondere solche, die mehr als nur 3 Stunden pro Woche auf ihrem MTB verbringen, durchaus interessant sein sollte, was man seinem Körper da vielleicht ständig antut.
Hätte man mich vor dem Seminar gefragt, ob ich eigentlich irgendwelche gesundheitlichen Probleme, Taubheitsgefühle und Schmerzen o.Ä. beim Fahren habe, hätte ich das klar verneint – vielleicht ab und an mal ein kleines Stechen im Knie, wenn die Tour zu lange war oder ich vorher keinen rest day hatte, aber eigentlich passt alles. Das sagen sich die meisten, aber wenn man dann mal genauer nachfragt, kommt doch oft raus, dass es Probleme gibt, die sich meist einfach lösen ließen, aber nicht angegangen werden. Taubheitsgefühle – klar, geht ja auch manchmal ruppig zur Sache, da muss es einem ja manchmal das Blut abschnüren.
Nackenschmerzen – Nicht zu vermeiden. Man muss eben trotz sportlicher Sitzposition vor sich gucken. Wahrscheinlich bin ich auch nicht der einzige, der schon einen Tag vorher die notwendige Nackenmassage ankündigt nach einer Rennrad- oder Klettertour (Sichern!)
Knieschmerzen – Logisch, wird ja auch ordentlich belastet und Kraftspitzen enden eben irgendwann mit Schmerzen.
Damit steh ich dann auch gar nicht alleine da, denn die meisten sehen das ähnlich:

Wenn ich jetzt ganz ehrlich bin, sind das aber schon Punkte, die mich stören und an die man sich irgendwann gewöhnt hat – im Zweifelsfall in der Kindheit, in der es selbstverständlich war, dass das Rad vom großen Bruder, das man irgendwann man geerbt hat, natürlich nicht genau gepasst hat und man ohnehin auch 6 Monate später was größeres gebraucht hätte. Nun bin ich mir mittlerweile relativ sicher, dass ich ziemlich ausgewachsen bin und vielleicht sollte ich meine Sicht auf das Thema Ergonomie beim MTB und Rennrad nochmals überdenken.
Los geht’s also mit dem zunächst wichtigsten oder eher dringenstem Thema für mich, was Ergonomie angeht:

Der Sattel

Die Faszination für Sättel kommt nicht so einfach von alleine. Es ist kein schön gefrästes CNC-Teil, es steckt keine große Mechanik dahinter, scheinbar keine große Technologie wie man sie bei einem Dämpferquerschnitt vermuten kann. Eigentlich sieht ein Sattel fast immer relativ gleich und unspektakulär aus. Dementsprechend viel Aufmerksamkeit kommt den meisten Sätteln heutzutage auch zu. Auf den meisten Rädern, die man kauf, ist ein 0815 Standard-Sattel montiert, der auch für immer montiert bleibt. Macht man sich die Aufgabe eines Sattels mal bewusst und auch wie viele Stunden man darauf verbringt, ist das aber gar nicht mal unbedingt schlau. Schaut man sich das Becken eines Menschen mal genauer an und macht sich bewusst wie unterschiedlich die Sitzknochenabstände bei jedem Menschen sind, wird schnell klar, dass es nicht einen Sattel geben kann, der jedem passt. Natürlich haben wir uns im Seminar erst mal gegenseitig vermessen, wobei eine ähnliche Verteilung zu sehen war wie bei der allgemeinen SQlab-Statistik.

Ein Sitzknochenabstand zwischen 9 und 17 cm (Frauen) bzw. 6 und 16 cm (Männer) führt zunächst zu dem Schluss: Die Ergonomie eines Fahrradsattels vom Geschlecht abhängig zu machen, macht keinen großen Sinn. Weiter macht die weite Streuung, die übrigens nicht auf andere Körpermerkmale wie Gesamtkörpergewicht o.Ä. zurückzuführen ist, klar, dass eine Messung eigentlich unumgänglich ist. Wie sollte auch ein Sattel aussehen, bei dem jemand mit 6 cm Sitzknochenabstand auf denselben Punkten sitzt wie jemand mit 16 cm? Zwar sind auf den meisten Rädern Sättel in Standardbreiten von ~13 cm verbaut, aber passen tun die fast niemandem. Die Konsequenz ist dann, dass man eher auf seinen Weichteilen sitzt als auf den Sitzbeinhöckern oder –armen.
Deshalb kommt am besten zuerst zur Vermessung bei uns im Laden vorbei, wenn ihr Euren Sitzknochenabstand nicht kennt. Ansonsten könnt ihr bei uns auch für ein paar Cent ein ein entsprechendes Messset für den Sitzknochenabstand für zu Hause bestellen, mit dem Ihr dann selbst ermitteln könnt, welchen Sattel ihr braucht.
Achtung: Je nach Einsatzbereich müsst Ihr zu Eurem Sitzknochenabstand noch 0-4 cm dazu addieren.

Für den MTB-Bereich wäre also die benötigte Sattelbreite (mindestens) [Sitzknochenabstand] + 2 cm.
In meinem Fall waren das 12 cm + 2 cm = 14 cm, weshalb ich ab nächster Woche auf einem 611 Ergowave active unterwegs sein werde!
Warum Ergowave? Weil ich zu den 92% gehöre, bei denen sich bei längeren Ausfahren irgendwann Taubheitsgefühle im Schritt bemerkbar machen (Nervus Pudendus wird geklemmt, wer es genau wissen möchte). Die Ergowave – Form verhindert das.


Das active System von SQlab ist für mich ein weiterer wichtiges Faktor. Die active-Sättel neigen sich bis zu 7° nach links und rechts und sind durch die dem Sattel beiliegenden drei Elastomeren in verschiedenen Härten sogar auf’s Körpergewicht einstellbar. Kurz zusammengefasst ist das:
•    Rückenfreundlich
•    Reduziert den Druck auf die Sitzknochen
•    Und ist damit optimal für längere Strecken

Wer sich noch näher dafür interessiert findet hier direkt auch noch ein Video von SQlab zu der active-Technologie.

Die Fortsetzung zur Schulung zum Thema Lenker, Griffe, Pedale folgt in naher Zukunft. Natürlich könnt ihr uns auch jetzt schon Fragen dazu stellen bzw. können wir Euch alle SQlab-Produkte auch jetzt schon besorgen.

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